Zurück zum Blog
22. AUGUST 2026 · SCHLÜSSLBERG & WENG

Was ich heute anders machen würde, wenn ich noch einmal ein Hotel bauen würde

Willi Sickinger
Willi SickingerGeschäftsleitung

Willi Sickinger zieht Bilanz: Was er beim Hotelbau heute anders machen würde, von der Planung über die Partnerwahl bis zur Finanzierung. Ehrliche Gedanken aus dem Alltag im Motel Schlafraum.

Ein Hotel zu bauen ist „eigentlich“ ganz einfach.

Man braucht Zimmer, Betten, Badezimmer, ein Frühstück, ein paar Parkplätze, etwas Charme. Und irgendwo sollten idealerweise auch ein paar Steckdosen sein.

Dachte ich zumindest.

Heute, einige Jahre und sehr viele Übernachtungen später, weiß ich: Ein Hotel plant man am Schreibtisch. Ob die Planung wirklich gut war, erfährt man aber erst im täglichen Betrieb.

Wenn morgens um 07:00 Uhr das Frühstück läuft, gleichzeitig Gäste bei mir an der Rezeption auschecken, das Telefon läutet, die Kaffeemaschine Aufmerksamkeit möchte und man sich zum hundertsten Mal fragt, warum genau an dieser Stelle eigentlich keine Steckdose ist.

Deshalb haben Harald und ich uns die Frage gestellt:

Was würden wir heute anders machen, wenn wir noch einmal ein Hotel bauen würden?

Die kurze Antwort: einiges.

Die längere Antwort ist etwas interessanter.

Bau nicht nur das Hotel, das Dir gefällt. Bau eines, das funktioniert.

Beim Bauen geht es naturgemäß viel um Pläne, Quadratmeter, Materialien, Normen und Kosten.

Im Hotelalltag geht es um ganz andere Fragen:

Wie viele Schritte braucht eine Mitarbeiterin, um ein Zimmer fertigzumachen?

Ist die Zimmerausstattung wirklich passend?

Was möchte der Gast, damit er zufrieden mit einem Lächeln auscheckt und gerne wiederkommt?

Was empfindet er vom ersten Betreten des Hauses bis zu seinem Zimmer?

Und welche Hürden gibt es eigentlich von der Buchung bis zu dem Moment, in dem er endlich im Zimmer steht?

Ein zusätzlicher Weg von zehn Metern klingt auf einem Bauplan völlig belanglos. Wenn dieser Weg aber jeden Tag zigmal zurückgelegt wird, sieht die Sache plötzlich anders aus.

Heute würde ich jeden Bereich noch konsequenter vom späteren Betrieb rückwärts planen.

Bei Hotelprojekten stehen oft die Baukosten im Mittelpunkt.

Ja, natürlich sind die wichtig!

Aber mittlerweile finde ich zwei andere Fragen viel spannender:

Was bringt mir mein Hotel später ein?

Und:

Sind meine Gäste zufrieden?

Denn am Ende baue ich kein Hotel für den Bauplan. Es muss viele Jahre jeden einzelnen Tag funktionieren.

Fragen kostet wenig. Nicht fragen kann richtig teuer werden.

Ich würde mir heute von der ersten Idee weg viel mehr Betriebe ansehen, die meiner Vision ähnlich sind.

Buche Dir ein Zimmer und verbringe eine Nacht dort.

Was gefällt Dir? Was stört Dich? Was würdest Du übernehmen?

Sprich mit dem Chef und mit dem Personal. Frag, wie es wirklich läuft. Was funktioniert gut? Was würden sie heute anders machen?

Versuche auch, einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen.

Ich vermute, Du wirst überrascht sein, wie viele wertvolle Informationen Du erhältst.

Frag den Besitzer, mit welchen Handwerkern er gebaut hat und wie er seine Fachfirmen ausgewählt hat.

Viele Fehler, die Du selbst erst teuer machen müsstest, hat ein anderer vielleicht schon vor Dir gemacht.

Du musst nur fragen.

Und vor allem zuhören.

Eine Idee darf Dich begeistern. Aber irgendwann muss sie rechnen können.

Heute würde ich von der ersten Idee weg viel mehr schriftlich festhalten.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich meine Gedanken niederschreibe, ist die Chance viel höher, dass ich sie auch umsetze.

Mein erster Schritt war bei meinen Projekten deshalb immer eine Konzeptmappe und ein grober Businessplan.

Bilder, Grafiken, Texte: alles, was Deine Vision sichtbar macht.

Und dann kommen die Zahlen.

Was kostet mich mein Betrieb pro Monat?

Welche Einnahmen kann ich realistisch generieren?

Was bleibt übrig?

Und was passiert, wenn es einmal nicht so läuft wie geplant?

Mach es am Anfang nicht kompliziert. Eine einfache Excel reicht.

Bei mir war das immer ein lebender Prozess. Konzept, Kostenplanung und Planrechnung wurden ständig überarbeitet, wenn ich neue Erkenntnisse gewonnen hatte, oder einfach einmal darüber geschlafen habe.

Eine Idee darf Dich begeistern. Aber irgendwann muss sie auch rechnen können.

Erzähle Deine Idee den richtigen Menschen

Du hast eine Idee, bist begeistert davon und willst sie natürlich mit jemandem besprechen.

Aber mit wem?

Das ist wichtiger, als man glaubt.

Am besten mit jemandem, der selbst schon einmal etwas aufgebaut und umgesetzt hat.

Denn es kann unglaublich viel zerstören, wenn Dir „Superklug“ mit einem Lächeln erklärt, dass das sowieso nichts wird und Dir zuerst einmal aufzählt, was alles schiefgehen kann.

Von Dr. Manfred Winterheller habe ich dazu den „Dumpfbackentest“ kennengelernt.

Du fragst einen durchschnittlichen Freund oder Bekannten, was er von Deinem Projekt hält.

Wenn er Dir als Erstes alle Risiken aufzählt und sagt, Du solltest besser die Finger davon lassen, dann kannst Du eigentlich richtig durchstarten.

Gott sei Dank sieht er es so.

Denn sonst könnte es eh jeder machen.

Das bedeutet nicht, dass Kritik schlecht ist.

Ganz im Gegenteil.

Aber ich unterscheide heute sehr genau zwischen Menschen, die Probleme suchen, und Menschen, die Probleme erkennen und dann gemeinsam mit Dir nach Lösungen suchen.

Die richtigen Partner kosten Geld. Die falschen meistens mehr.

Die Auswahl der richtigen Partner ist für mich heute einer der wichtigsten Punkte überhaupt.

Ich würde sehr früh einen Steuerberater oder Bilanzbuchhalter meines Vertrauens einbinden. Frag in Deinem Netzwerk, wer gute Erfahrungen gemacht hat.

Dasselbe gilt für Bank, Architekten, Fachplaner und Professionisten.

Ich würde nicht automatisch nach dem günstigsten Angebot entscheiden.

Je besser Dein Plan, desto besser die Ausschreibung. Je besser die Ausschreibung, desto besser kannst Du vergleichen.

Und etwas habe ich ebenfalls gelernt:

Ich muss nicht alles wissen.

Ich muss nicht immer die Antwort haben.

Manchmal muss man den Profis vertrauen und andere Meinungen zulassen, auch wenn man sie im ersten Moment nicht versteht.

Wir haben selbst unglaublich viel ausprobiert. Alleine bei der Farbwahl haben wir getestet, verworfen, wieder getestet und am Ende manches ganz anders gemacht als ursprünglich gedacht.

Oft braucht eine gute Lösung einfach einen Weg, den man gemeinsam gehen muss.

Dabei komme ich immer wieder auf drei meiner Leitwerte zurück:

Respekt. Höflichkeit. Disziplin.

Respektiere die Meinung anderer und höre zu.

Gib anderen Ideen Platz.

Finde gemeinsam eine Lösung.

Und setze sie dann mit Disziplin um.

Und wenn Du danach draufkommst, dass die Lösung doch nicht passt?

Zurück an den Start.

Neue Lösung suchen.

Das gehört dazu.

Lieber 50 Prozent von etwas Tollem als 100 Prozent von etwas, das untergeht

Mit wem mache ich das Ganze?

Ich würde es wieder so machen und mir einen Partner suchen, mit dem ich das Projekt gemeinsam durchziehe.

Es teilt sich vieles:

Verantwortung, Entscheidungen und Sorgen, aber auch die Freude, wenn etwas funktioniert.

Jeder hat andere Stärken.

Lieber 50 Prozent von etwas Tollem als 100 Prozent von einem Konzept, das untergeht.

Aber entscheide wohlüberlegt.

Die Wahl Deines Geschäftspartners ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt.

Ich habe das gewaltige Glück, dass ich mit meinem Bruder, Freund und Geschäftspartner Harald extrem gut funktioniere.

Egal welche Herausforderung ansteht: Wir finden gemeinsam eine Lösung.

Das ist unbezahlbar und für mich ein großes Glück!

Wenn es hart auf hart kommt, zählt nicht nur der Zinssatz

Auch meine Sicht auf Finanzierung hat sich verändert.

Die Baukosten sind gewaltig gestiegen, der Markt ist volatil und keiner kann Dir sagen, wie es in einer Branche in ein paar Jahren wirklich aussieht.

Natürlich sind Zinsen und Konditionen wichtig.

Aber heute finde ich eine andere Frage fast wichtiger:

Kann ich mir mein Projekt auch dann noch leisten, wenn es einmal richtig schlecht läuft?

Was passiert, wenn die Auslastung einbricht?

Wenn gleichzeitig die Kosten steigen?

Wie lange halte ich durch?

Du brauchst aus meiner Sicht eine finanzielle Resilienz, damit Du auch in harten Zeiten durchkommst.

Denn wenn es hart auf hart kommt, stehst Du schnell alleine da.

Am Ende musst Du Deinen Betrieb selbst verstehen

Wir waren bei jedem Schritt und bei jeder wichtigen Entscheidung selbst involviert.

Im Nachhinein kann ich mir das gar nicht mehr anders vorstellen.

Natürlich brauchst Du Architekten, Fachplaner und gute Professionisten.

Aber Du kannst die Verantwortung für Dein Projekt nicht komplett abgeben.

Am Ende musst Du Deinen eigenen Betrieb besser verstehen als jeder andere.

Ich würde heute sogar noch mehr Zeit in Planung, Planrechnung und Baubegleitung investieren.

Das kostet während der Planung Zeit.

Später spart es Dir aber oft ein Vielfaches davon.

Gute Technik merkst Du nicht. Sie funktioniert einfach.

Wir haben beim Schlafraum von Anfang an stark auf Digitalisierung und Automatisierung gesetzt.

24/7 Check-in, digitale Abläufe und möglichst wenig unnötige Bürokratie passen zu unseren Gästen und unserem Konzept.

Das würde ich wieder so machen.

Heute würde ich Technik aber noch stärker als einen gesamten Ablauf aus Sicht des Gastes betrachten.

Eine Reservierung beginnt schließlich nicht beim Check-in-Automaten.

Sie beginnt bei der Buchung und geht über Bestätigung, Pre-Check-in, Anreise und Zutritt bis zur Rechnung.

Je weniger Brüche es dazwischen gibt, desto besser.

Die beste Technik ist für mich mittlerweile jene, über die niemand nachdenken muss.

Sie funktioniert einfach.

Ein Hotel ist nie fertig. Zum Glück.

Das ist vielleicht meine wichtigste Erkenntnis.

Gäste verändern sich.

Ansprüche verändern sich.

Technik verändert sich.

Und auch wir verändern uns.

Was heute perfekt erscheint, kann in fünf Jahren plötzlich nicht mehr optimal sein.

Deshalb würde ich heute flexibler bauen und von Anfang an mitdenken, dass Räume und Infrastruktur irgendwann verändert werden.

Nicht alles muss für die Ewigkeit gebaut werden.

Manches muss einfach so gebaut sein, dass man es in fünf Jahren ohne mittelschwere Staatskrise wieder umbauen kann.

Denn auch bei uns ist ständig etwas in Bewegung.

Wir verändern Zimmer, optimieren Abläufe, probieren Dinge aus, bauen um, verwerfen Ideen und stellen manchmal fest, dass eine kleine Veränderung plötzlich einen großen Unterschied macht.

Natürlich gibt es dabei Entscheidungen, bei denen man sich Jahre später fragt:

„Wer hatte eigentlich diese großartige Idee?“

Manchmal war ich es selbst.

Das macht die Suche nach dem Schuldigen zumindest angenehm kurz.

Würde ich noch einmal ein Hotel bauen?

Trotz allem?

Ja. Sofort.

Denn bei all den Dingen, die ich heute anders machen würde, darf ich eines nicht vergessen:

Sehr vieles hat funktioniert.

Manches sogar besser, als wir es erwartet haben.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Wenn ich heute alles genauso machen würde wie damals, hätte ich in den vergangenen Jahren wahrscheinlich nicht viel dazugelernt.

Ich würde heute mehr fragen.

Mehr zuhören.

Mehr aufschreiben.

Früher rechnen.

Meine Partner noch bewusster auswählen.

Und wahrscheinlich hätte ich einen deutlich dickeren Ordner mit Dingen, die ich beim zweiten Mal anders machen möchte.

Aber ich würde wieder anfangen.

Visionen sind für mich der Treibstoff für Veränderung.

Wenn Du ein Projekt umgesetzt hast, geht es meistens schon wieder weiter. Du siehst Dinge, die Du verbessern möchtest. Neue Ideen entstehen. Aus einer Lösung entsteht die nächste Frage.

Und vielleicht ist genau das Unternehmertum:

Nicht alles vorher zu wissen.

Sondern den Mut zu haben, eine Idee umzusetzen.

Entscheidungen zu treffen.

Fehler zu machen.

Daraus zu lernen.

Und es beim nächsten Mal ein kleines Stück besser zu machen.

Wenn Du selbst schon einmal ein Projekt umgesetzt hast oder gerade mitten in einem steckst: Was würdest Du heute anders machen?

Ich freue mich auf einen Austausch und Dein Feedback!

Willi Sickinger

Motel Schlafraum